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Studio Evolution (1987 - 1998) und bis 2007

2. MIDI, Computer und Digitales

Die Ankündigung digitaler Technologien liess mich aufhorchen: Was, wenn meine analogen Geräte innert kürzester Zeit nur noch Schrottwert hatten?! Auch die rasante Entwicklung von MIDI und das Auftauchen erster Volks-Computer (Commodore C-64) liessen die Zukunft für ein analoges 16-Kanal Studio düster aussehen.

So entschloss ich mich denn 1987 meine ganze Installation zu verkaufen - und fand sogar einen finanzstarken Abnehmer! Nun suchte ich nach einer günstigen Übergangslösung (bis Digital Audio erschwinglich würde) und baute gleichzeitig die MIDI Sektion aus. Bald standen im Studio:

Tascam 238 8-Spur Kassetten Recorder (analog mit dbx)
Studiomaster Mischpult, 20-kanalig, analog
JBL Near Field Monitore
AKG Mikrofone, Pioneer Kopfhörer
C-64 mit Steinberg Software
DX-7II, 2 Casio Synths, Yamaha RX-5 Drumcomputer


Der Computer mit dem MIDI Playback war mit dem Tascam 238 synchronisiert.

Christian Hunzikers Studio 1987
Hier noch ein Bild der neuen MIDI Abteilung mit dem Commodore C-64 Computer inkl. Floppy Laufwerk und Farbbildschirm (RAM war effektiv 64 KB, doch das Betriebssystem auf ROM - es war kein Aufstarten notwendig).

Die MIDI Sektion wurde über ein eigenes Mischpult (Tascam) zu einer Stereosumme abgemischt und ins Studiomaster-Pult geführt.

Zum Einspielen der Drumtracks verwendete ich Octapads. Das wirkte viel lebendiger als die quantisierten Drumcomputertracks.

Die Entwicklung der Computer und die Ablösung von Synthesizermodellen war tödlich für jegliche Kreativität - ich las vor allem (enorm ungern) Handbücher oder versuchte neue Software ... das technische Herumspielen und Pröbeln verbrauchte soviel Zeit und Energie, dass die Resultate aus jener Zeit eher dürftig sind. Und auch Games wie "Dallas Quest" waren echte Zeitfresser!

1986 begann ich Fachartikel zu schreiben, vorerst für die Zeitschrift "Electronic Sound" (später nur noch "Sound"). Daraus entstand dann 1988 die Musikerzeitschrift "Workshop", bei der ich als Gründungsmitverantwortlicher gleich den Chefredaktorposten übernahm. Dies war zwar genau, was ich gesucht hatte, doch bedeutete es, noch mehr Neues kennen zu lernen und zu testen. Und nichts ist so aufwendig (sorry, aber ich kann mich immer noch nicht an "aufwändig" gewöhnen) wie ein Softwaretest!

Christian Hunzikers Studio 1989
Nach dem Commodore C-64 kam der Atari 1040 mit immerhin 1 MB (resp. später bis zu 4 MB RAM), und mit ihm wiederum neue Software. Vor allem C-Lab gab mit Creator und Notator enorm Gas (wurde später Emagic Logic und ist heute Apple Logic).

Alle MIDI Expander waren nun im Rack: 2 x Yamaha TX-7, 2 x Roland D-550, Korg EX-8000, Roland RX-8, Yamaha TX-802 u.a.m. gespielt via DX-7II und gesteuert über MTP von MotU. Komponieren wurde zum Kinderspiel, MIDI sei Dank ... doch in der Retrospektive war alles, was ich in Echtzeit und mit akustischen Instrumenten eingespielt und auf Band aufgenommen hatte, um Klassen besser gewesen.

Ich versuchte mich zu beschränken: Für Kreatives benützte ich nach wie vor Band und der Computer wurde nur als zusätzliches Aufzeichnungsmedium verwendet, Quantisierungen ausgeschaltet.

Der Atari 1040 war allerdings ein effektives Arbeitspferd, das ich sowohl für Musik als auch für all meine Schreibarbeiten und die ganze Buchhaltung nutzte.

Die 90erJahre waren die Jahre des raschen Wandels. Aus Atari wurde Mac - natürlich mit neuer Software - aus analog wurde digital.

In meinem Studio standen 1995 ein Tascam DA-88, ein DA-38, ein Tascam DA-30 DAT-Recorder, ein Sony MiniDisk-Recorder ...

... und als Zentrale ein Mischpult Yamaha 03D.

Und alles wurde technisch besser und plötzlich konnte man Dinge tun, die analog undenkbar gewesen wären. Die Effektgeräte waren im Mischpult integriert (z.B. keine Verkabelungsprobleme), die Fader waren motorisiert und liessen sich u.a. via MIDI automatisieren - man konnte also an einer Abmischung beliebig lange werkeln und sogar Tage oder gar Monate später nochmals darauf zurückkommen: The sky was the limit!

Leider wurde dadurch die Musik nicht besser - und nicht nur meine.

Da sich eine rasante Weiterentwicklung im digitalen Sektor ankündigte, verkaufte ich, was ich konnte vor meinem Umzug nach Kalifornien. Zurück blieben mein MIDI-Rack und mein DX-7II, den ich eh behalten wollte.

Durch die virtuellen Instrumente im Rechner gerieten MIDI-Expander mehr und mehr ins Abseits. Heute kann man mit einer USB Keyboardtastatur, einem Kopfhörer und einem Laptop Rechner mit entsprechender Software problemlos und unabhängig Musik kreieren. Nur zum Aufzeichnen natürlicher Instrumente oder der menschlichen Stimme benötigt man nach wie vor ein Mikrofon. Und auch Lautsprecher sind nach wie vor mechanisch - und behalten deshalb ihren Wert. Auch heute noch stehen ein Paar Mackie HR824 und ein paar altehrwürdige Yamaha NS-10M in meinem sonst mehrheitlich virtuellen Mac-Studio.

Neben den selten mehr aktivierten MIDI Expandern besitze ich immer noch zwei Tonbandgeräte: Ein uraltes Revox G36 und meine immer noch superbe Tascam 35-2. Und um die diversen DAT Kassetten abspielen zu können, ein Tascam DA-30 MKII, das glücklicherweise noch keine Probleme hat (Holz alänge!). Und aus den USA habe ich den "second hand" gekauften Mackie CR1604 Mixer mitgenommen und (dank Hans Wild von GoWild) auf 220 V umgebaut.


Schon in Santa Monica wollte ich wieder zurück zu den Wurzeln und kaufte mir deshalb das "abgestossene" Musser Vibraphon.

Nach meiner Rückkehr war der Drang nach "echter" Musik, nach Jazz in der Gruppe enorm gross und ich war froh, schnell Anschluss zu finden, auch wenn Big Band Musik für mich Neuland war.

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